Stereofotos leicht gemacht

Eine interessante Richtung der Fotografie ist die Stereofotografie. Ich möchte hier zeigen, wie man ganz einfach und schnell eigene Stereofotos anfertigen kann. Ich benutze dazu die Software “StereoPhotoMaker” in Verbindung mit “Autopano-Sift”.

Was brauche ich um Stereoaufnahmen zu machen?

Eine einfache Digitalkamera ist völlig ausreichend. Natürlich können alle hier vorgestellten Schritte auch mit analogen Kameras nachvollzogen werden, aber die lasse ich in diesem Tutorial einmal außen vor.

Zunächst ein paar Grundlagen:
Wir können dreidimensional sehen, weil wir zwei Augen haben, die ein Motiv immer aus zwei verschiedenen Blickwinkeln sehen. Unser Gehirn errechnet aus dieses beiden Teilbildern ein einziges Bild mit räumlicher Tiefe. Wie gut das funktioniert, merkt man meist erst dann, wenn man beispielsweise zu tief ins Glas geschaut hat und die Umrechnerei im Gehirn nicht mehr funktioniert. Dann sehen wir nämlich doppelt, also jedes Bild von jedem Auge gleichzeitig.

Um ansprechende Stereobilder zu erstellen müssen Sie für den Anfang aber noch ein paar Kleinigkeiten mehr wissen. So gibt es auch in der Stereofotografie einige wichtige Dinge:

  1. Basisbreite
    Die Basisbreite beschreibt den Abstand der beiden Ausgangsbilder. Damit ein Stereobild natürlich wirken soll, benutzen Sie bei einer Brennweite von 50mm Kleinbildformt entsprechend ca. 6cm Abstand der beiden Bilder, denn so groß ist der Abstand der Augen im Durchschnitt.
  2. Scheinfenster
    Als Scheinfenster oder -ebene bezeichnet man den Punkt, ab dem wir in ein Bild hineinschauen. Dies ist meistens die Mattscheibe des Bildschirms oder das Papier eines Fotoabzuges. Für den Anfang ist es sinnvoll, wenn Sie Ihre Motive hinter dem Scheinfenster montieren.
  3. Nahpunkt
    Der Nahpunkt ist der Teil des Motivs, welcher dem Fotografen am Nächsten liegt. Das kann ein Stein sein oder auch ein Baum. Auch wieder für den Anfang reicht es, wenn Sie sich merken, dass der Nahpunkt etwa 3m vor Ihnen liegt. Alles, was näher liegt, stört den Bildeindruck später nur.

So, nun haben Sie die wichtigsten Grundlagen erfahren, nun gehen Sie raus und schießen ein paar Bilder. Und immer schön drauf achten, dass die beiden Bilder parallel verschoben fotografiert werden. Und keine Angst, dass die beiden Bilder etwas zueinander verkanten, das können Sie später wieder ausgleichen. Wenn Sie wieder da sind, können Sie weiterlesen. ;)

Wie gehts nun weiter?

Nachdem Sie wieder da sind, können Sie Ihre Bilder sichten und schonmal optimieren. Dazu zählen Dinge, wie beispielsweise Helligkeitsanpassungen oder geraderichten des Horizonts. Ich erledige diese Dinge mit FixFoto, denn eine einfacher zu handhabende Software hab ich noch nicht gefunden.

OK, die Bilder sind optimiert, legen wir los:

Zuerst besorgen Sie sich den StereoPhotoMaker (nachfolgend einfach SPM genannt). Anschließend noch Autopano-Sift. Ich erkläre kurz, wozu beide Programme da sind. SPM ist das Programm, in dem Sie aus beiden Bildern ein Stereobild machen. Autopano dient zur Unterstützung und rechnet beide Teilbilder zusammen. Das macht sich besonders dann gut, wenn Sie freihand fotografieren und die beiden Bilder vielleicht nicht hundertprozentig parallel sind oder Sie eins oder beide verdreht haben, was bei Freihandaufnahmen zwangsläufig passiert.

So, ich gehe davon aus, dass Sie beide Programme heruntergeladen und ausgepackt haben. Starten Sie zunächst den SPM. In dessen Einstellungen unter “Bearbeiten/Einstellungen” tragen Sie auf der letzten Registerkarte (Justage) den Pfad zu Autopano ein. Das Ganze sieht so aus:

Wenn Sie das gemacht haben, schließen Sie den Dialog mit “OK” und rufen Sie dann die Bilderliste auf (roter Pfeil). Das ist ein Bildbrowser, in dem Sie beide Bilder markieren und dann per Rechtsklick als Stereobild öffnen können (grüner Pfeil):

Weitere Tipps, wie Sie die Bilderliste optimal nutzen können, hat Werner Bloos auf seiner Homepage beschrieben. Aber machen wir erstmal weiter. Nachdem Sie obige Punkte ausgeführt haben, erscheint das Bild in SPM, schon als Stereobild – in diesem Falle als Anaglyphe.

Drücken Sie nun [Alt] + [A], um die beiden Bilder automatisch – via Autopano – auszurichten. Dieser Vorgang dauert etwas, aber wenn er abgeschlossen ist, ist das Resultat schon recht vielversprechend.

Jetzt kann es natürlich sein, dass Sie bemerken, dass an dem Bild irgend etwas verwirrend ist, Sie es aber nicht benennen können. Das liegt meist daran, dass sich ein Teil des Bildes vor dem Scheinfenster befindet. Das mag bei freistehenden Objekten, wie einem Elefantenrüssel spektakulär wirken, bei Motiven, die rings ums Bild weitergehen – wie hier die Wiese im Vordergrund – stört dieser Umstand die Betrachtung sehr. Und das werden wir jetzt beheben. Drücken Sie die [J]-Taste, um die Justagedialog zu öffnen:

Hier sehen Sie Ihr Bild, allerdings als Schwarz/Weiß-Version. Packen Sie nun den oberen, horizontalen Regler an und schieben Sie Ihn ein wenig umher. Meist müssen Sie ihn nach rechts ziehen, damit das Motiv vollständig hinter das Scheinfenster rutscht. Am Besten können Sie am unteren Bildrand beurteilen, ob das Motiv hinter dem Scheinfenster liegt, da dort meistens der Boden ist und dieser dem Fotografen verständlicherweise am Nächsten lag.

Nachdem Sie Ihr Bild nun korrigiert haben, klicken Sie auf OK. Damit Sie bei einer Rot-/Cyanbrille keine zu starken Farben ins Bild bekommen, was gerade bei Rot- und Gelbtönen sehr störend wirken kann, wählen Sie den Modus “Halbton”. Dieser reduziert die Rot- und Gelbtöne und die Bilder sind ausgeglichener, wenn gleich auch nicht mehr so bunt.

Zum Schluß können Sie Ihr Bild abspeichern und anschauen oder herumzeigen.

Noch ein paar Hinweise!

Keine Sorge, wenn die ersten Stereofotos nicht klappen, auch hier gilt: Übung macht den Meister!

Wenn Sie vom Stativ fotografieren möchten, können Sie einen Stereoschlitten kaufen. Den gibts beispielsweise im 3D-Foto-Shop. Für den kleinen Geldbeutel und kleine Kameras reicht auch dieses Teil oder eine Blitzschiene, wie sie beispielsweise Foto-Brenner anbietet. Wenn Sie sich dazu noch eine zweite Stativschraube besorgen, können Sie zwei kleine Kameras dran befestigen und sogar bewegte Szenen fotografieren.

Anaglyphenbilder betrachten Sie am Besten mit Rot-/Cyanbrillen, die Sie hier oder hier oder beim Optiker Ihres Vertrauens bekommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Pappbrillen besser wirken, als die stabileren Plastikbrillen. Der große Vorteil der Analyphen ist, dass die Bilder sehr groß werden und sich die räumliche Tiefe bei großen Bildern sehr gut darstellen läßt. Nachteil ist die leichte Farbverfälschung.

Wenn Sie lieber farbrichtige Stereofotos erstellen möchten, stellen Sie im SPM den entsprechenden Parallel- oder Kreuzblickmodus ein. Wenn Sie nicht wissen, wie Kreuzblick funktioniert, lesen Sie die sehr gute Anleitung von Ralf Fackinger durch! Bei mir hats ca. eine halbe Stunde gedauert, bis ich den Dreh raushatte. Ralf hat auch in der Fotocommunity ein paar Lehrtafeln hinterlegt.

9 Comments

  1. Hallo,

    hatte so ein paar Anlaufschwierigkeiten mit “Stereophotomaker”, irgendwie war die eingebaute Hilfe dort für mich nicht so gut. Keine rechten Fortschritte, alles etwas für Experten.

    Mittels dieses Tutorial hatte ich nach einer 3/4 Stunde (mußte ja noch die Bilder schießen) mein erstes gutes Stereofoto.

    Die Erwähnung von “Autopanosift” war gut und die Beschreibung des Workflow auch.

    Vermutlich die derzeit beste einfache knappe Einführung in “StereoPhotoMaker “(Freeware). Weiter so.

    Vielen Dank für die Mühe.

    Freundlicher Gruß aus der Bergstraße Jim Hawkins

  2. Hallo Michael,

    ich habe den Tipp für diese Seite von einem user der fotocommunity erhalten und ich muß sagen, mit den Informationen, die du hier so humorvoll und anschaulich präsentierst, ist es sogar einem Anfänger wie mir gelungen, etwas “Anaglyphenähnliches” zu fabrizieren. Bin noch am üben, aber so schwierig, wie mir das am Anfang erschien, ist es gar nicht.

    Vielen Dank für deine Mühe und liebe Grüße aus Würzburg!

    Carmen

  3. Schön, dass dir die Anleitung geholfen hat. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass die ganze Stereogeschichte sehr easy ist.

  4. Hallo
    Vielen Dank für die Anweisungen. Habe schon seit längerem mit der 3D Fotografie begonnen. Wolllte deine Meinung zu einem 3D-Objektiv für eine digitale Speigelreflexkamera wie zb http://www.3d-foto-shop.de fragen.
    Ich würde das Objektiv kaufen, um damit Personen in Bewegungen festhalten zu können.

    Danke Georg

  5. Hallo,
    habe nun schon lange nach einer so tollen und sehr verständlichen Erklärung wie Deiner zu SPM und autopano gesucht und bin einfach überglücklich, sie hier bei Dir gefunden zu haben. Jetzt kann ich endlich all meine gesammelten Doppelbilder montieren, und das ohne den mühsamen Aufwand in PS . Dafür einen großen Dank an Dich. (Hab Dich auch schon im Stereoforum.de verlinkt)
    LG Ingrid

  6. Hallo,
    ich habe eine Methode gefunden, wie man aus einem Videofilm
    Anaglyphen erstellen kann. Günstig ist es , wenn in dem Videofilm ein langsamer Schwenk gemacht wird. Ich spiele den Film im VLC Mediaplayer ab . Ich halte den Film an einer interssanten Stelle an und mache im VLC ein Schnappschuß . Dann lasse ich den Film ein ganz kleines Stück weiterlaufen und mache erneut einen Schnappschuß. Die zwei gemachten Schnappschüsse verarbeite ich dann wie hier beschrieben im Stereofotomaker zu einem Anaglyphenbild !
    Ich finde es entstehen gute Anaglyphen , wenn in dem Videoteil aus dem man die Schnappschüsse holt keine Bewegung ist !
    Wie ist Eure Meinung dazu ?
    Gruß Manfred

  7. Das muß ich mal versuchen:-)
    Meist geht das zwar mit meinen Motiven nicht, weil sie sich bewegen, aber, dann suche ich mir mal was ruhiges!

    Liebe Grüße

    Gabi

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